• Bericht internationales Arbeitscamp – August 2021

    Vor ein paar Monaten entschlossen wir uns gemeinsam mit Caterina Rossi, Waldorflehrerin und Architektin im Piemont in Novi Ligure einen Kulturort aufzubauen. Hier in der Villa Angela möchten wir gemeinsam mit anderen interessierten Menschen an aufbauenden Zukunftsimpulsen arbeiten und die Aufgabe des Menschen, bezogen auf die Welt, immer weiter zu vertiefen und herauszukristallisieren.

    Hintergrund

    Der Mensch lebt heute in den unterschiedlichsten Polaritäten, die eine große Spannung verursachen. Eine Situation zeigt sich im Spannungsfeld der heutigen Leistungsgesellschaft, die einen Druck und eine Kälte erzeugt. In der Folge sucht der Mensch nach Entspannung und Wärme, beispielsweise im Freizeitleben oder im Urlaub. Er sucht nach etwas, dass ihm sympathisch ist, das ihm seine Bedürfnisse befriedigt. Dabei bleibt er allerdings in der Regel innerhalb seiner Komfortzone und seines eigenen, auf sich bezogenen Verhaltens. Das Bild von Zuckerbrot und Peitsche eignet sich sehr gut für ein erweitertes Verständnis.

    Die kalte Leistungsgesellschaft wirkt wie die Peitsche, die den Menschen zur Arbeit drängt, in ihm Ängste hervorruft und ihn dadurch abhängig und unfrei macht. Es wird eine Gehorsamkeit erzwungen, die den eigenen Willen zur Gestaltung bricht. Beispielsweise dominiert häufig die Notwendigkeit des Geld Verdienens und Bestehens gegenüber der Konkurrenz, sodass dieser enorme Druck dem Menschen keine Fehler erlaubt. Dadurch wird verkannt, dass der Mensch aus den begangenen und erkannten Fehlern wirkliche Entwicklungsschritte vollziehen kann. Das Zuckerbrot hingegen bringt ihm zunächst etwas Harmonie und Süße, füttert ihn jedoch auf passive Weise und stärkt ihn nicht nachhaltig, sondern führt ihn sogar in Abhängigkeiten (Zucker zählt zu den Suchtmitteln). Es fördert keine gesunde Selbstüberwindung aus der eigenen Komfortzone heraus, sondern gibt den Begierden, Leidenschaften und Ängsten mehr Raum. Dadurch bleibt der Mensch unfrei und wird von seinen niederen Trieben beherrscht, die immer mehr dominieren und ihn fremdbesetzen.

    Zuckerbrot und Peitsche ergänzen und bedingen sich also. Der Zucker schwächt und verweichlicht den Menschen, sodass er wiederum die Peitsche „braucht“, um eine Leistung zu erbringen. Andererseits führt die Peitsche wiederum dazu, dass der Mensch durch diese Traumatisierung wieder etwas Wärme und Geborgenheit sucht. Ein Teufelskreis also, der zur Ich-Zerstörung des Menschen führt.

    Es braucht wirkliche Nahrung (kein Zuckerbrot sondern geistige Nahrung), die den Menschen stärkt, sodass er diesen Teufelskreis überwinden kann. Die hemmenden, fremden Kräfte haben das Zentrum des Menschen fremdbesetzt und die Führung übernommen. Es ist notwendig, sich nach außen zu wenden und ein wirkliches Interesse an der Welt zu entwickeln, d.h. von außen, vom Umkreis den Kern, das Zentrum der Persönlichkeit wieder zu erobern. Hierzu braucht es entsprechende Ziele und Ideale, nach denen sich der Mensch ausrichtet, unabhängig von seinen Neigungen und anderen Hindernissen, die ihn daran hindern möchten. Über ein geeignetes gesetztes Ziel kann es gelingen, dieses immer weiter in der Vorstellung zu konkretisieren und auf diese Weise den eigenen Handlungen entsprechend Form zu verleihen.

    Umsetzung

    Für das Arbeitscamp bedeutete dies, sich gemeinsam für ein Ziel einzusetzen, nämlich, hier einen Ort mit aufzubauen und zu gestalten, der allen interessierten Menschen offen stehen soll, die gewillt sind, an Zukunftsimpulsen mitzuarbeiten (sei es für die Pädagogik, für die Architektur, für die Landwirtschaft, für die Kunst etc.).

    So konnten aufkommende Motivationsschwierigkeiten und Stimmungsschwankungen relativ schnell wieder zurückweichen und der Freude am Gestalten und einem gesunden grenzüberschreitenden Impuls Raum geben.

    Hochmotiviert und mit teilweise großem Krafteinsatz (gerade im Außenbereich) waren die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei der Sache.



    Die Frühaufsteher unter uns beim morgendlichen Yoga.


    Der Umgang mit der Axt will gelernt sein. Doch am Lernwille mangelt es nicht.

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  • Internationales Jugend-Arbeitscamp in Italien

    Empfohlen für junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren

    In der gegenwärtigen Zeit erlebt sich der Mensch reduziert in Bezug auf seine Möglichkeiten, selbstverantwortlich und gestalterisch zu wirken. Stattdessen wird ihm suggeriert, dass es das Beste und die Rettung sei, sich der Führung höher stehender Autoritäten zu überlassen. Das selbstständige, auf gesundem Menschenverstand basierende Hinterfragen und Auseinandersetzen mit dem Umgang einer Erkrankung wird nicht erwünscht und toleriert, sondern als gefährlich für die Gesellschaft eingestuft. Die höhere Sehnsucht des Menschen ist jedoch, den Mut zu entwickeln, Sinn und Wahrheitsgehalt der Lebenszusammenhänge selbst zu überprüfen und zu erkennen und die eigenen Handlungen dementsprechend zu gestalten. Dieses tiefere Anliegen wird erstickt und dadurch flüchtet sich der Mensch in verschiedene Formen von Kompensationen und die Gewaltbereitschaft wächst. Die Suche des Menschen richtet sich nicht nach höheren, edlen Zielen aus, sondern haftet sich an eine materielle, schnelle Beglückung.

    Was braucht der Mensch wirklich für seine höhere geistige Entwicklung? Welche aufbauenden Gedanken benötigt die Welt, um zu harmonisierenden, transformierenden Prozessen angeregt zu werden?

    Es besteht die Möglichkeit, an dem Aufbau eines Kulturortes mitzuwirken und diese Fragen gemeinsam zu bearbeiten und im direkten praktischen Tun zu erüben. Eine über sich hinauswachsende, freudige Leistung kann diesem Ort zu einer Strahlkraft verhelfen, die den Menschen anregt, mutig und ideenvoll die Zukunft zu gestalten.

    Wo: In Novi Ligure, Piemont, Italien

    Wann: Vom 08. – 21. August (Camp 1) oder vom 28. August – 11. September 2021 (Camp 2)

    Was: Die Villa Angela soll zu einem Kulturort für pädagogische Arbeit und Fortbildungen werden mit dem Schwerpunkt auf vielseitigen künstlerischen, handwerklichen, landwirtschaftlichen u.a. Tätigkeiten. Weitere Themenbereiche sind angedacht.

    Tätigkeiten: Die Arbeit im weitläufigen Gelände (12 ha), am Umbau der Villa, in der Küche etc. wird durch erfahrene Handwerker und Pädagogen begleitet. Ein übersichtlicher, rhythmisch gestalteter Tagesablauf und das Tätig sein in der Gemeinschaft soll für alle Beteiligten und darüber hinaus einen Aufbau bewirken.

    Für wen: Empfohlen für junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren

    Kosten: insg. 300 €, Solidarbeitrag 350 €

    Was wird benötigt: Schlafsack, Isomatte, ggf. Zelt, Arbeitskleider.                                

    Verantwortliche: Lisa Quispe Ureta: Heilpädagogin, Waldorflehrerin, Erlebnispädagogin;
    Lorenzo Quispe Ureta: Erzieher mit dem Schwerpunkt der Heilpädagogik.

    Veranstalter: Verein Der mündige Mensch e.V.
    Weitere Informationen und Anmeldung (bis zum 11. Juli) unter: 07732-6011055 oder per Mail unter  lisameixner@web.de

  • Der Hof als Schule

    Eine Initiative in Planung stellt sich vor

    Jedes Kind kommt mit einem lebensbejahenden Lernwillen zur Welt. Durch diesen innersten Impuls möchte es die Welt entdecken und sich als Gestaltender in ihr erleben. Wie können wir ein Umfeld ermöglichen, das diesem Willen zum Lernen gerecht wird? Die Natur und die Landwirtschaft bieten vielfältige Möglichkeiten, in natürlichen und sinn-stiftenden Prozessen freudig tätig zu sein. Am Leben zu lernen und alle Mitwirkenden selbst als Lernende zu erleben, kann eine tiefe Verbundenheit mit der Mitwelt anlegen und dem Menschen seine eigene Schaffenskraft offenbaren. Hierfür streben wir eine Zusammenarbeit mit Handwerkern, Künstlern, Wissenschaftlern, Landwirten und anderen Berufsgruppen an.
    An diesem Abend möchten wir über unser Vorhaben berichten.

    Wann: Dienstag, 25.02.2020 um 19.30 Uhr

    Wo: im Theater „Zeller Kultur“ in Radolfzell, Fürstenbergstr. 7

    Wer: Nicole Eisenhauer und Lisa und Lorenzo Quispe